Wireless Communication in der Intralogistik: Das unsichtbare Nervensystem moderner Lagerhäuser
In Kooperation mit dem Fachmagazin Automation Next – Chefredakteur Philip Bittermann
In modernen Logistikzentren herrscht ein ständiger Fluss von Waren, Fahrzeugen und Informationen. Was auf den ersten Blick wie ein perfekt choreographiertes Ballett erscheint, basiert auf einer unsichtbaren, aber absolut geschäftskritischen Infrastruktur: der drahtlosen Kommunikation. Wireless Communication hat sich von einer praktischen Ergänzung zum Fundament der Intralogistik entwickelt.
Während vor zwei Jahrzehnten noch kabelgebundene Terminals und papierbasierte Prozesse dominierten, sind heutige Lagerhäuser von drahtloser Konnektivität durchdrungen. WLAN, Bluetooth, RFID, 5G und spezialisierte Industriestandards wie WirelessHART bilden ein komplexes Ökosystem, das Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen, Systemen und Menschen ermöglicht.
Die Vorteile sind messbar: Moderne Wireless-Technologien wie Pick-by-Voice steigern die Kommissionierleistung um 15 bis 25 %, RFID-Systeme erhöhen die Bestandsgenauigkeit auf über 99 %, und mobile Lösungen ermöglichen Echtzeitdaten-Zugriff, der Arbeitsabläufe nachweislich beschleunigt. Kommissionierzeiten verkürzen sich, Fehlerquoten sinken, und die Transparenz über Warenströme steigt.
Autonomie braucht Vernetzung
Besonders deutlich wird die Bedeutung drahtloser Kommunikation beim Einsatz autonomer Systeme. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) und autonome mobile Roboter (AMR) sind ohne zuverlässige Wireless-Verbindungen undenkbar. Sie benötigen kontinuierlichen Datenaustausch für:
- Navigation und Kollisionsvermeidung: Echtzeit-Positionsbestimmung und Koordination mit anderen Fahrzeugen
- Auftragsmanagement: Dynamische Zuweisung und Priorisierung von Transportaufträgen
- Flottensteuerung: Zentrale Orchestrierung multipler Einheiten für maximale Effizienz
- Predictive Maintenance: Übertragung von Zustandsdaten zur vorausschauenden Wartung
Ein Ausfall der Wireless-Infrastruktur würde moderne automatisierte Lager buchstäblich zum Stillstand bringen – ein Risiko, das die strategische Bedeutung robuster Funknetzwerke unterstreicht.
RFID: Der stille Held der Bestandsführung
Radio-Frequency Identification (RFID) hat die Bestandsverwaltung regelrecht revolutioniert: Anders als Barcodes benötigen RFID-Tags keine Sichtverbindung und können hunderte Artikel gleichzeitig erfassen. So werden innerhalb von Millisekunden Wareneingänge gebucht, Bestände aktualisiert und Kommissionierprozesse getriggert.
Die Technologie ermöglicht dabei wie bereits erwähnt eine Bestandsgenauigkeit von über 99 % – ein Wert, der mit manuellen Verfahren unerreichbar war. Gleichzeitig sinkt der Personalaufwand für Inventuren, da permanente Bestandstransparenz physische Zählungen weitgehend überflüssig macht.
Pick-by-Voice und Wearables: Hände frei für die Arbeit
Wireless Communication hat auch die Arbeitsweise der Lagermitarbeiter verändert. Pick-by-Voice-Systeme, Smart Glasses und tragbare Scanner kommunizieren drahtlos mit dem Warehouse Management System (WMS) und ermöglichen eine natürliche, ergonomische Arbeitsweise.
Die Mitarbeiter haben beide Hände frei, müssen keine Papiere oder Handscanner jonglieren und erhalten Anweisungen in Echtzeit. Das Resultat: höhere Kommissioniergeschwindigkeit, weniger Fehler und geringere körperliche Belastung. Studien zeigen, dass Pick-by-Voice die Kommissionierleistung um 15 bis 25 % steigern kann.
5G: Der Game-Changer für industrielle Anwendungen?
Mit der Einführung von 5G-Campusnetzen eröffnen sich potentiell noch einmalig neue Dimensionen: Die Technologie ermöglicht ultraschnelle Datenübertragung mit minimalen Latenzen – und kann so bei zeitkritische Anwendungen wie der Steuerung von Robotern oder die Übertragung von hochauflösenden Videodaten für visuelle Qualitätskontrollen zum Einsatz kommen.
Besonders interessant ist die Network Slicing-Fähigkeit von 5G: Verschiedene Anwendungen können priorisiert werden, sodass kritische Steuerungssignale immer Vorrang haben. Dies schafft die Zuverlässigkeit, die industrielle Anwendungen benötigen.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Trotz aller Vorteile bringt Wireless Communication auch Herausforderungen mit sich:
Interferenzen: In metallreichen Lagerumgebungen können Funkwellen reflektiert oder absorbiert werden. Professionelles Site Surveying und der Einsatz mehrerer Access Points schaffen hier Abhilfe.
Sicherheit: Drahtlose Netzwerke sind potenzielle Angriffsvektoren für Cyberattacken. Verschlüsselung, Segmentierung und regelmäßige Sicherheitsaudits sind unerlässlich.
Koexistenz verschiedener Technologien: Wenn WLAN, Bluetooth, RFID und andere Standards parallel operieren, kann es zu gegenseitigen Störungen kommen. Ein durchdachtes Frequenzmanagement ist entscheidend.
Skalierbarkeit: Wachsende Lagerhäuser benötigen flexible Wireless-Architekturen, die sich ohne große Investitionen erweitern lassen.
Der Blick nach vorn
Die Bedeutung von Wireless Communication in der Intralogistik wird zweifelsohne weiter zunehmen. Denn Trends wie Digital Twins, bei denen physische Lager in Echtzeit digital abgebildet werden, oder KI-basierte Optimierungsalgorithmen sind auf kontinuierliche Datenströme angewiesen, die nur drahtlos wirtschaftlich realisierbar sind.
Und auch die Integration von Intralogistik mit vorgelagerten und nachgelagerten Prozessen – Stichwort Supply Chain Visibility – basiert auf nahtloser drahtloser Vernetzung. IOT-Sensoren an Waren und Verpackungen liefern durchgängige Transparenz vom Lieferanten bis zum Endkunden.
Fazit
Wireless Communication ist längst mehr als eine technische Infrastruktur – sie ist das zentrale Nervensystem moderner Intralogistik. Ohne sie wären Automatisierung, Digitalisierung und die geforderte Agilität in der Logistik undenkbar. Unternehmen, die in robuste, zukunftssichere Wireless-Lösungen investieren, schaffen die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.